Schweizer Vorlesetag

154 Jahre Papierfabriken Landquart

Die Papierfabriken Landquart haben den Ort, ja die Region in mancher Hinsicht stark geprägt. Anlässlich des Schweizer Vorlesetags am Mittwoch, 27. Mai, hat der Verein LandquartKultur in der Bibliothek Landquart die Geschichte des Unternehmens Revue passieren lassen, aber auch einen Blick in die Vergangenheit des Mühlbachs geworfen. Dieser hat seinen Teil dazu beigetragen, dass die Fabrik vor 154 Jahren dort zu stehen kam, wo sie heute steht.

Sehr lang ist er nicht, der Mühlbach zwischen Ganda und Rhein. Vielleicht fünf oder sechs Kilometer? Lang hingegen ist seine Geschichte. Erste Urkunden erwähnen das Gewässer schon im 13. Jahrhundert, über den hie und da neu gesetzten Verlauf und die Erbauer ist jedoch wenig bis nichts bekannt. Eine Tatsache hingegen ist, dass der Mühlbach schon früh die nötige (Antriebs-)Energie für verschiedene mittelalterliche Gewerbe- und Industriebetriebe entlang seines Grabens geliefert hat: für Mühlen, Rellen, Hanfrieben oder Stampfen. Ein möglicher Grund für seinen Bau war wohl auch, das karge Schwemmland links der Landquart zu bewässern, um es landwirtschaftlich zu nutzen – und eventuell sogar, um den Wassergraben des Schlosses Marschlins zu speisen. Aber so genau weiss man es nicht.

Papierfabrik Landquart: ein Familienmitglied erzählt

2022 feierte die Papierfabrik (PFL) ihr 150-Jahr-Jubiläum. Und die Werke würden kaum dort stehen wo sie heute stehen, wenn es den Mühlbach nicht gegeben hätte. Schon vor der Gründung des Unternehmens waren an gleicher Stelle mechanische Werkstätten angesiedelt – Werke, die zwischendurch sogar Fahrräder mit Holzfelgen produziert haben.

Der Igiser Andy Florin, der in verwandtschaftlicher Beziehung zur PFL-Gründerfamilie Henggeler steht, konnte sozusagen aus erster Hand über die wechselvolle Geschichte des Betriebs und die Familie vorlesen und erzählen. Andys Urgrossvater Robert Henggeler war einer der drei Brüder, welche die maroden Werke aufkauften, neue unternehmerische Ideen realisierten und Gebäude erstellten, die das Gebiet bis heute prägen: der Neuhof, die Gartenlaube oder eine Villa, die Geschäftssitz war und später zur Villa Maissen wurde.

Aus dem Nähkästchen «plaudern», respektive erzählen, konnte auch Andreas Seyffert. Als Papiertechnologe hat er jahrelang in der PFL gearbeitet und kennt darum die Geschichte des Hauses aus dem FF. Noch heute ist er in beratender Funktion mit dem Unternehmen verbunden. So wusste er über diverse technische Details Bescheid wie auch über gesellschaftliche und soziale Entwicklungen, welche die PFL angestossen hat. So zum Beispiel über den ersten Kindergarten für die Familien der internationalen Belegschaft, über die Gründe zeitweiliger Verfärbungen des Mühlbachs oder über verdächtige Erbverträge, welche auf geprägtem Papier der PFL niedergeschrieben waren.

Der Verein LandquartKultur bedankt sich bei den knapp 80 Personen, die mit ihrer Anwesenheit Interesse an der Geschichte dieses besonderen Unternehmens gezeigt haben. Ein herzliches Dankeschön geht an die Referenten Andy Florin und Andreas Seyffert sowie an das Team der Bibliothek um Gret Kohler, die einmal mehr die Räumlichkeiten für Anlässe von LandquartKultur zur Verfügung gestellt hat. Musikalisch begleitet haben den Anlass die Vorstandsmitglieder René Spescha und Cornelius Raeber. Der gelungene Schweizer Vorlesetag konnte mit einem Apéro und feinen Leckereien des Frauenvereins Mastrils abgeschlossen werden.